[ Porträtfoto: Norbert Luckhardt] Alles und Nichts

Ordnungsmerkmale

erschienen in: <kes> 2004#5, Seite 3

Rubrik: Editorial

Als es noch nicht üblich war einen PC zu haben, wurde man gelegentlich von Bekannten befragt: "Und was kann so ein Ding?" – "Einfach alles!", hat so mancher stolze Besitzer dann geantwortet; bisweilen um sich wenig später selbst zu fragen, was er mit dieser immensen Vielfalt denn nun anfangen soll. Mittlerweile wissen wir das. Und so mancher (auch Anbieter) musste feststellen, dass einerseits alles gar nicht so einfach ist und zum anderen Alles manchmal zu viel des Guten sein kann – schon gar, wenn es nicht zuletzt Hacker, Viren und Fehlbedienung fördert.

Darum gibt es heute nicht nur Software, die neue Funktionen ermöglicht, sondern auch solche, die alte Funktionen zügelt: Firewalls, Virenscanner, Spam-Filter, Rechteverwaltung und so weiter dienen letztlich dazu, das Übermaß des Möglichen auf das Wünschenswerte zu beschränken. Darum lässt beispielsweise Microsoft Tausende Programmierer in Sachen Sicherheit nacharbeiten, anstatt auf Teufel komm raus neue "Funktionalitäten" zu entwickeln. Darum präsentieren sich nicht zuletzt auch Lösungsanbister heuer auf der IT-SecurityArea, um zu betonen, dass bei ihnen Sicherheit von Anfang an eine Rolle spielt.

Auf der anderen Seite sind wir auf dem Weg zum Mobile Computing und die PC-Geschichte wiederholt sich: Schon die Westentaschencomputer (PDAs) haben versäumt, auf Security-Design zu setzen und sich – auch ohne Zusatzsoftware – als sichere Datensafes für persönliche Informationen und Krypto-Schlüssel zu etablieren. Und bei den "Smart" Phones sieht es nicht viel anders aus: Fotos in immer höherer Auflösung, "on-the-fly" vernetzen mit möglichst jeder verfügbaren Technik, nachladbare (Spiele-)Software und so weiter.

Im Vordergrund steht erneut die hippste, "innovativste" Funktion. Die Freude darüber wird wohl nur solange anhalten, bis man das erste Mal am Pförtner der Firma oder beim Einlass zum Theater scheitert – "Sorry, keine Kamera-Handys hier!", bis der erste Hotel-Nachbar auf fremde Rechnung 0900-geil-und-geizig anruft – "Hätte ich bloß Bluetooth abgeschaltet!" oder bis (in wie naher Zukunft?) die eigenen Freunde ein Handy-Virus per ausführbarer MMS erhalten – "Wie konnte das nur passieren...?!"